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Der_See


Der flache See, d
as weite Land

zeitungsmann.jpg (9835 bytes)Das Land am Neusiedler See hat zu allen Zeiten seine ganz besonderen Reize. Aber was wäre das Land ohne den See? Trocknet der See tatsächlich aus, wie viele unken? Lesen Sie bei uns über die Merkwürdigkeiten des Wasserhaushaltes eines Steppensees.

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Trocknet der Neusiedler See aus?


Seit zwei Jahren sinkt der Wasserstand des Neusiedler Sees deutlich. Besitzer von großen Segelbooten haben schon ihre Probleme mit dem Tiefgang. Aber austrocknen, versprechen die Experten, wird er nicht. Obwohl das ein ganz natürlicher Vorgang wäre.

 

Segelboote mit großem Tiefgang liegen buchstäblich auf dem Trockenen. Und ihre Eigner stellen sich die Frage: Wer ist schuld daran? Die Antwort der Wasserexperten ist klar: sie selbst. Derungewöhlich hohe Wasserstand der späten 90er Jahre habe die Segler zu dem Glauben verführt, man könne mit adriatüchtigen Booten auch das flache Steppengewässer befahren.

Es ist ein Irrglaube. Der Neusiedler See ist - als westlichster Steppensee Europas - dem merkwürdigen Wasserhaushalt der Steppenseen unterworfen. Dessen Hauptcharakteristikum ist die große Schwankungsbreite. Steppenseen sind in der Hauptsache vom Niederschlag abhängig.

Die niederschlagsreichen Jahre 1995 und 1996 - insbesonders der schneereiche Winter 1996 - ließen den See aus den Ufern treten, auf der Seebadstraße in Illmitz schwammen die Fische. Ab 2000 reduzierte sich die Jahresniederschlagsmenge von durchschnittlich 550 auf 400 bis 450 Milimeter. Und der See reagierte. Statt durchschnittlich 115,49 Metern über der Adria hält er im Sommer 2002 bei 115,25.

Das freilich sind nur Annäherungswerte. Es gibt Tage, erzählt der Seebeauftragte der burgenländischen Wassserbauabteilung, Helmut Rojacz, da differiert die Spiegelhöhe von Ufer zu Ufer um beinahe 20 Zentimeter. "Die Windverfrachungen sind besonders bei Südost-Wetter enorm." Da könne es schon passieren, dass man am Ostufer den Eindruck bekommen, der See sei schon am Austrocknen. Insgesamt acht Messtationen muss Rojacz deshalb beaufsichtigen. um zu einem halbwegs exakten Ergebnis zu kommen.

Die Situation freilich, sagt auch der Wasserbauer, sei durchaus ernst. Sollte die extreme Trockenheit auch die nächsten Jahre anhalten, dann würde der Wasserspiegel weiter sinken. 115,11 ist in Blickweite. Dieser Wert ist freilich nichts anderes als das Mittel der Jahre bis 1965.

Damals wurden ein bilaterales Abkommen über den noch dichten Eisenren Vorhang hinweg abgeschlossen, die Entwässerungsgräben auf ungarischem Gebiet ausgebaut, Schleusen erneuert, die Abflussgeschwindigkeit erhöht, sodass es möglich wurde, den See auf höherem Wasserstand zu stabilisieren, ohne die Ufergemeinden einer Hochwassergefahr auszusetzen. Etwas ähnliches passierte jetzt. Rojacz: "Wir könnten den See auf 115,80 heben. das Hochwasser haben wir im Griff."

Das Niederigwasser noch nicht. Deshalb ist eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden. Darin soll untersucht werden, ob und wie dem See "Fremdwasser" zugeführt werden könnte. Gedacht sei dabei an das Wasser von Donau, Raab und Rabnitz, die "demselben Gewässersystem angehören". Über das System der rund 1000 Ent- und Bewässerungsgräben im Hanság, dessen Rückrat der Einserkanal ist, bekäme der See dann einen künstlichen Zufluss.

Die Studie soll im Frühjar 2003 vorliegen. Und damit soll verhindert werden, was zuletzt in den 1860er Jahren passierte. Von 1866 bis 1872 war der See trocken. Mit bösen Konsequenzen: Die Botrytis, der Edelschimmel beim Wein, trat nicht mehr auf und verhinderte die Produktion der Weltberühmten Edelsüßen, dem Weinbau insgesamt fehlte der günstige mikroklimatische Einfluss der großen Wasserfläche, und der Zikstaub des trockenen Seebodens wirbelte in hohen Fontänen sogar übers Leithagebirge. Selbst dort klagten die Menschen über tränende Augen.



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Die Charakteristik eines Steppensees

Flaches Seebecken

Hohe Wasserstands-Schwankungen

Kleines Einzugsgebiet, daher große Abhängigkeit vom Niederschlag


Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas

Größe des Seebeckens 320 Quadratkilometer, davon 230 freie Wasserfläche

Das Einzugsgebiet ist 1000 Quadratkilometer groß, also nur rund 3,3 mal so groß wie der See selbst. Zum Vergleich: Das des Zeller Sees ist zwölfmalf, das des Bodensees 20 mal, das des Traunsees 55mal größer.

Die Zuflüsse beschränken sich im wesentlichen auf die Wulka (Mündung bei Oggau) und den Kroisbach (Mündung bei Fertörákos).

Niederschläge sind die wesentlichste Wasserzufuhr des Sees (80 bis 82 Prozent). Die Verdunstung ist der wesentlichste Entwässerungsfaktor (90 Prozent).

Die Spiegelhöhe lag bis 1965 durchschnittlich bei 115,11 Metern über der Adria, seit damals bei 115,49. Ab 2002 will man die Spiegelhöhe bei 115,80 stabiliseren. Voraussetzung: Regen.